Gertrud Teusen - Buchautorin und Textcoach
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In the summertime ...

Alle Jahre wieder... beobachten Hugo und ich die ewigen „Gassi-Radler“. Das sind solche Hundebesitzer, die ohne Rücksicht auf ihren Vierbeiner, durch die Landschaft düsen. Hunde und Fahrräder – das ist oft keine besonders gelungene Kombination. Von einem Team wollen wir hier gar nicht erst sprechen.


Wer sind denn die „Gassi-Radler“?

Es sind die Menschen, die glauben, ein Hund muss überall hin mit. Bewegung tut schließlich gut, sagen sie. Natürlich kann der Hund auch auf der Fahrradtour mit dabei sein. Doch die meisten Hunde (-rassen) sind nicht dafür gemacht, sich monoton über große Strecken in gleichbleibender Geschwindigkeit zu bewegen. Während Herrchen oder Frauchen den kühlenden Fahrtwind genießen, wird die Zunge manchen Vierbeiners immer länger. Der Asphalt unter den Pfoten ist an sonnigen Tagen zu heiß, der kühlere Grünstreifen oft außer Reichweite. Ach was für ein Elend!

Prinzipiell spricht ja nichts dagegen, den Hund auch auf eine Radl-Tour mitzunehmen. Vorausgesetzt die Radfahrer nehmen ausreichende Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit des Vierbeiners. Konkret geht es um Überforderung. Denn: Ein Hund, der die ganze Woche über (beispielsweise) im Büro unterm Schreibtisch liegt, kann am Wochenende keine Höchstleistung bringen, ohne körperlich Schaden zu nehmen. Das ist Fakt.


Was ist erlaubt, was ist verboten

Hat sich darüber ein passionierter Radfahrer jemals Gedanken gemacht? Einen Hund beim Radeln mitzunehmen ist grundsätzlich erlaubt. Allerdings verbietet § 28 StVO das Mitführen eines Tieres aus einem Fahrzeug (also Auto) heraus. Fahrräder sind davon explizit ausgenommen. In der Verordnung steht da allerdings (noch) nichts von E-Bikes.

Wichtigste Voraussetzung: Es handelt sich dabei um Hunde, die den Verkehr nicht gefährden und die dem Besitzer gehorchen. Was das bedeutet, darüber sind sich nicht alle Gassi-Radler im Klaren.

Beispielsweise sollten Welpen und Junghunde mit Rücksicht auf Kondition und körperliche Einschränkungen erst ab dem 15. Lebensmonat am Fahrrad mitlaufen, ebenso dürfen ältere Tiere und solche mit Gelenkproblemen nicht so mitgeführt werden. (Aber wer prüft das schon?)

Und worauf es noch ankommt:

Ob Leine, Fahrradkörbchen oder Anhänger, jedes Zubehör ist für die Mitnahme des Hundes beim Radeln geeignet und zugelassen.

Das Mitführen an der Leine erfordert viel Geschick und vor allem Gehorsam des Hundes.

Wer ein schnelles Pedelec oder E-Bike fährt, sollte zusätzlich auf die Geschwindigkeit beim Fahren achten.

Körbchen eignen sich nur für kleinere Hunde und zwar sowohl im Straßenverkehr als auch bei längeren Radtouren auf dem Land.

Das gilt auch für einen Anhänger. Allerdings gibt es gesetzlichen Vorschriften, die lediglich Fahrrädern und Pedelecs das Ziehen eines Anhängers erlauben. Kleinkrafträder (und E-Bike oder Pedelecs S) dürfen das nicht.

Spezielle Leinen für Radfahrer unterstützen beim Gassi-Radeln. Sie sind flexibler und dämpfen beispielsweise plötzliches Anziehen des Hundes. Ab einer bestimmten Belastung löst sich die Verbindung, so dass der Fahrer nicht vom Rad stürzt.

Viele Leinen sind über ein spezielles Gestänge am Rad befestigt. Man nennt sie „Springer“ und sie sorgen konstant für ausreichenden Abstand zwischen Hund und Fahrrad. Der Springer besteht aus einem Chromstahlrohr mit einer Zugfeder, die die Bewegungen des Hundes auf natürliche Art und Weise ausgleichen soll.

Der klassische Hundekorb kann auch am E-Bike oder Pedelec angebracht werden. Ein Front-Fahrradkorb eignet sich für kleine Hunde bis 10 kg Gewicht. Es gibt größere Körbe, die Hunde bis 15 kg aufnehmen können. Allerdings haben nicht alle Fahrräder einen Gepäckträger. Auch das Anhängen eines Hundekorbs am Lenker birgt Gefahren, weil Hund ja selten ganz still im Körbchen sitzt. Das Gewicht des Tieres übt ordentlich Druck aus. Also vorher ausprobieren, ob Hund, Korb und Bike zueinander passen.

Der Anhänger am Fahrrad eignet sich für Vierbeiner mit mehr als 15 kg. Solche Hunde-(und Kinder-)Fahrradanhänger sind nur für Fahrräder und Pedelecs erlaubt sind. S-Pedelecs und E-Bikes zählen zu den Kleinkrafträdern und dürfen weder einen Kindersitz noch einen Anhänger haben. Dass der Hund in einem solchen Anhänger angeschnallt werden muss, versteht sich von selbst.


Was der Hund von einer Fahrradtour erwartet

Während ich diese Zeilen schreibe muss ich stets an den älteren Herren und seinen Rauhaardackel denken, dem Hugo und ich des Öfteren begegnen. Wir hören den Dackel schon von weiten kommen, laut bellend wird er hinterm Fahrrad her geschleift. So schnell ihn eben seine kleinen Beinchen tragen. Auf dem Feld dann angekommen, darf der Waldi von der Leine. Er bellt in einem fort, weil Herrchen droht davon zu radeln. Ich frage mich dann oft, warum macht der das bloß?

Oder umgekehrt: Was erwartet ein Hund von einer solchen Fahrradtour?

Auf gemeinsamen Ausflügen möchten Hunde die Strecke erschnuppern, ihre Beinchen heben oder das Geschäft verrichten. Ohne Leine passen sie die Laufgeschwindigkeit den Umweltreizen an. Angeleinte Vierbeiner brauchen dafür die Rücksichtnahme ihres Radlers. Denn je höher das Tempo, desto weniger Gelegenheit hat der Hund seinen Bedürfnissen nachzugehen.

Im Idealfall hat ein Hund beim Gassigehen die Möglichkeit, seine Schrittgeschwindigkeit und den Untergrund selbst zu wählen. Der angeleinte Hund (oder der, der neben dem Fahrrad läuft) muss sich jedoch dem Tempo des Rads anpassen. Beim klassischen Radfahren ist die Geschwindigkeit auch von der Kondition des Fahrers abhängig, bei E-Biking hängt das Tempo von der Motorleistung ab. Und genau da liegt der Krux: Der Mensch entscheidet (manchmal ohne Rücksicht auf den Hund) über die Gangart, das Gelände und die Dauer der Tour. Wofür der Hund jedoch lebt, sind aber die Pausen. Denn nur dann darf er Hund sein, wie er es mag.

P.S.: Wasserflasche und Napf nicht vergessen!

Ach ja und noch eins... es gibt auch rücksichtvolle Hunde-Radler, die alles richtig machen. Die haben dann aber auch zumeist passionierte Langstreckenläufer unter den Hunderassen an ihrer Seite.